Orgie im Menschenlabor

Parallel zur EM-Eröffnung gab es am Hans Otto Theater in der vergangenen Woche die Premiere von „Schöne neue Welt“. Das klingt erstmal nach Schullektüre in der Landeshauptstadt. Doch man sollte sich nicht täuschen: Das Regieteam um Alexander Nerlich hat einen an- und aufregenden Theaterabend geschaffen.

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Mit Roussel im Karussell

Eine Warnung vorneweg: Wer generell meint, dass zum Theater die Guckkastenbühne mit Vierter Wand zwischen Bühne und Zuschauerraum gehört, der ist bei „Locus Solus“ von vornherein verkehrt. Eine solche Trennung kann es hier auch nicht geben. Denn in Krzysztof Garbaczewskis Inszenierung an der Volksbühne sitzt das Publikum in der Mitte — was vielleicht schon die spannendste Idee an der Inszenierung des polnischen Regisseurs ist.

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„Man wird ja seine Biographie nicht los“

Linda Söffker ist eine dieser Frauen, die auch im Abendkleid nicht auf einen Döner verzichten und nur kurz zögern, vor der Kamera ein Lied von Christian Steiffen („Sexualverkehr“, YouTube-Link unten) anzustimmen. Zur Berlinale, wo Söffker seit 2011 die Perspektive Deutsches Kino leitet, ist sie allerdings nicht deswegen gekommen. Vielmehr ist es ihr tiefes Interesse für den Film, der sie vor fünf Jahren auf einen der wichtigsten Posten in der deutschen Filmszene geführt hat. 

Foto (oben): Friedensfilmpreis 2015 | Heinrich-Böll-Stiftung | CC BY-SA 2.0

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Zwischen Bolschoi und Berghain

Olga Grjasnowa gehört zu den talentiertesten jungen Erzählerinnen hierzulande. Wie schade, dass sie sowohl mit „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, als auch mit „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ noch keinen völlig runden Text vorgelegt hat. Doch beide Romane lassen erahnen, was da noch so schlummert. Wohl auch deshalb hat das Berliner Gorki Theater die Texte auf die Bühne gebracht. Die Premiere der „Unschärfe“ (Regie: Nurkan Erpulat) fand am 24. Oktober statt — und für beide Vorführungen im Dezember gibt es noch Karten.

Foto: Baku/Azerbaijan (April 2011) | Dieter Zirnig | CC BY-NC 2.0

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„Sei verflucht!“

Über Gehorsam habe ich bereits vor wenigen Wochen mit Robert Stadlober für die MOZ gesprochen. Anlass waren die Kleist Festtage, die sich in diesem Herbst das Motto „Ungeheuer Gehorsam“ gaben und die Stadlober mit seiner Eineinhalb-Mann-Performance „Private Peaceful“ (mit auf der Bühne stand Andreas Spechtl) nach Frankfurt (Oder) holten. Stadlober verriet mir in unserem kurzen Telefonat, dass er den Kriegsdienst total verweigert hat, und sprach von seiner „Abscheu gegenüber Gehorsam“. Wie er diese Abscheu auf der Bühne umsetzt, war am Donnerstag in Frankfurt zu sehen.

(Foto: Hamburger Kammerspiele/Isabell Koch)

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„Weil er so ein geiler Autor ist“

… und immer wieder Brecht. Kaum ein Monat vergeht, an dem nicht in irgendeinem Theater in Deutschland ein Brecht-Stück seine Premiere feiert. An der Neuen Bühne Senftenberg bekommt der Dichter am 19. September gleich ein ganzes Fest. Was fasziniert an Brecht so sehr, dass er Jahrzehnte nach seinem Tod — und trotz juristischer Fallstricke — noch immer so gefragt ist? Wie lässt sich ein Dichter ins Jetzt holen, der Phänomene wie die Globalisierung nur erahnen konnte? (Schließlich gelingt das durchaus nicht immer.)

Ende August habe ich mich für die MOZ mit Manuel Soubeyrand, seit 2014 Intendant an der Neuen Bühne Senftenberg, über Brecht unterhalten. Er gibt mir Antworten — und wirbt kurz vor ihrem Tod um Verständnis für die Brecht-Erbin Barbara Brecht-Schall.

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Gespräch mit Gehörlosen

Nur der Vollständigkeit halber: Über das „Wycinka“-Gastspiel in Schwedt, vor dem ich mit der Schauspielerin Ewa Skibińska gesprochen hatte, habe ich auch etwas ausführlicher geschrieben. Der Text ist am 21. April in der gedruckten MOZ erschienen — und folgt jetzt hier.

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Beziehungsstatus: kompliziert

Manchmal ist es fast zum Heulen. Da gastiert Krystian Lupa, der Lehrmeister des polnischen Theaters, mit seiner gefeierten Inszenierung „Wycinka/Holzfällen“ nach Thomas Bernhard in Schwedt — und hierzulande kräht kein Hahn danach. Gerade einmal 30 der 500 verkauften Karten sind in Deutschland verkauft worden. Den Rest hat das Stettiner Theaterfestival „Kontrapunkt“, in dessen Rahmen das Gastspiel stattfand, an den Mann gebracht. Das ist schade, denn das Interesse war mit Sicherheit da. Als Krzysztof Warlikowski vor drei Jahren mit den „Afrikanischen Erzählungen“ an der Schaubühne gastierte, war das Haus voll.

Wie dem auch sei: Im Foyer der Uckermärkischen Bühnen wurde am 19. März in erster Linie polnisch gesprochen. Ich hatte Glück, dass mir beim Gespräch mit der Schauspielerin Ewa Skibińska ihr Kollege Ireneusz Rosinski sprachlich unter die Arme griff. Krystian Lupa, mit dem ich eigentlich verabredet war, konnte nicht kommen. Er war krank. Stattdessen berichtete mir Ewa Skibińska von der Arbeit mit Lupa, von der angespannten Situation der Theater in Polen und davon, was Thomas Bernhards „Holzfällen“ für sie ausmacht.  weiterlesen

Besuch in der Halbwelt

Ein Theaterstück zu inszenieren, das kostet Energie, Geld und viel Zeit. Wie kann das ohne Förderung funktionieren? Vor anderthalb Jahren habe ich Katarzyna Noga besucht, die damals am TIK Nord in Friedrichshain Philip K. Dicks „Ubik“ auf die Bühne brachte. Der Text ist also nicht ganz aktuell. Katarzynas Bühne steht mittlerweile in Essen, wo sie für „Finnisch“ gefeiert wurde und derzeit „Ich rufe meine Brüder“ inszeniert. Premiere ist am 26. April — fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der „Ubik“-Premiere. weiterlesen