Die Kühle der Pariser Nacht


Wieland Speck hatte es ja bereits vermutet: „Paris 05:59“ (im Original „Théo et Hugo dans la même bateau“) kommt bei den Zuschauern an. Später gab’s für den Film den Publikums-Teddy. Und mit Salzgeber hat er nach seinem Berlinale-Screening auch einen Verleih gefunden, dürfte also früher oder später im Kino zu sehen sein und startet mit großer Wahrscheinlichkeit auch seine Tingeltour über die kleineren Festivals. Grund genug, dem Film ein paar mehr Zeilen zu widmen.

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„Wir wollten raus aus dem Ghetto“

Verleihung Friedensfilmpreis 2013Wieland Speck ist schon lange eng mit dem Berlinale-Panorama verbunden. Ab 1982 assistierte er dem Programmleiter Manfred Salzgeber, seit 1992 kuratiert er selbst die Sektion. Gemeinsam mit Salzgeber rief Speck auch den queeren Filmpreis Teddy Awards ins Leben, der in diesem Jahr zum 30. Mal vergeben wurde. Im Gespräch mit mir blickte Wieland Speck vor ein paar Tagen auf diese 30 Jahre zurück und zog ein erstes Fazit der 66. Berlinale.

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Zwischen Bolschoi und Berghain

Olga Grjasnowa gehört zu den talentiertesten jungen Erzählerinnen hierzulande. Wie schade, dass sie sowohl mit „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, als auch mit „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ noch keinen völlig runden Text vorgelegt hat. Doch beide Romane lassen erahnen, was da noch so schlummert. Wohl auch deshalb hat das Berliner Gorki Theater die Texte auf die Bühne gebracht. Die Premiere der „Unschärfe“ (Regie: Nurkan Erpulat) fand am 24. Oktober statt — und für beide Vorführungen im Dezember gibt es noch Karten.

Foto: Baku/Azerbaijan (April 2011) | Dieter Zirnig | CC BY-NC 2.0

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Rock gegen den ramponierten Ruf

Noch ein Nachdreh zu Serbien: Denn neben der Flüchtlingskrise und dem Kosovo-Streit wird dort natürlich auch gefeiert — und in Novi Sad beim Exit Festival sogar mit gutem Grund. Als ich vor zwei Jahren im Frühsommer schon einmal durch das Land gereist bin, habe ich auch die Veranstalter des Festivals getroffen. Und für die MOZ damals dies aufgeschrieben:

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Belgrader Zorn

Der Balkan taucht in den Nachrichten zurzeit vor allem als Flüchtlingsroute auf. Dabei gibt es in Serbien und den anderen Nachfolgestaaten Jugoslawiens durchaus auch andere Themen. So nähern sich derzeit sowohl das Kosovo als auch Serbien der EU an — was keineswegs ohne Reibung klappt. Bei der Pressereise nach Serbien gab es deswegen auch so einige rhetorische Volten und Spagate zu hören. Für die MOZ habe ich das am 26. Oktober aufgeschrieben.

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„Schon viel zu lange gewartet“

Wer derzeit als Flüchtling über die Balkanroute in Richtung Europäische Union will, der kommt an Serbien kaum vorbei. Auf einer Pressereise, veranstaltet von der EU-Kommission, habe ich in der vergangenen Woche unter anderem die Flüchtlingsunterkunft in Principovac nahe der Grenze zu Kroatien besucht. Es war ein ruhiger Tag. Doch die Situation kann sich jederzeit ändern. Bereits in dieser Woche sieht es in Principovac ganz anders aus. Für die Märkische Oderzeitung habe ich am Montag diese Reportage geschrieben.

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Beziehungsstatus: kompliziert

Manchmal ist es fast zum Heulen. Da gastiert Krystian Lupa, der Lehrmeister des polnischen Theaters, mit seiner gefeierten Inszenierung „Wycinka/Holzfällen“ nach Thomas Bernhard in Schwedt — und hierzulande kräht kein Hahn danach. Gerade einmal 30 der 500 verkauften Karten sind in Deutschland verkauft worden. Den Rest hat das Stettiner Theaterfestival „Kontrapunkt“, in dessen Rahmen das Gastspiel stattfand, an den Mann gebracht. Das ist schade, denn das Interesse war mit Sicherheit da. Als Krzysztof Warlikowski vor drei Jahren mit den „Afrikanischen Erzählungen“ an der Schaubühne gastierte, war das Haus voll.

Wie dem auch sei: Im Foyer der Uckermärkischen Bühnen wurde am 19. März in erster Linie polnisch gesprochen. Ich hatte Glück, dass mir beim Gespräch mit der Schauspielerin Ewa Skibińska ihr Kollege Ireneusz Rosinski sprachlich unter die Arme griff. Krystian Lupa, mit dem ich eigentlich verabredet war, konnte nicht kommen. Er war krank. Stattdessen berichtete mir Ewa Skibińska von der Arbeit mit Lupa, von der angespannten Situation der Theater in Polen und davon, was Thomas Bernhards „Holzfällen“ für sie ausmacht.  weiterlesen

„Sie wissen, dass die Gesellschaft sie für den letzten Dreck hält“

Ich halte mich für tolerant. Und doch ging der Film „Danielův Svět“ (Daniel’s World), der bei der Berlinale im Panorama lief, an die Grenzen meiner Toleranz. Veronika Lišková porträtiert darin den 25-jährigen Daniel — einen Pädophilen. Ihr gelingt ein einfühlsamer Streifen, der ganz offenbar an die Grenzen der Toleranz gehen will. Lišková wirbt für Verständnis, ohne sexuelle Übergriffe zu verharmlosen. „Der Film stigmatisiert Menschen mit einer geächteten Veranlagung nicht, sondern zeigt ihre Nöte und Ängste“, schrieb Barbara Breuer in der MOZ. Doch der Film beantwortet nicht alle Fragen. Kurz nach der Berlinale habe ich mich deshalb mit Jens Wagner und Hannes Gieseler von der Berliner Charité getroffen. Beide arbeiten für das Projekt „Kein Täter werden„, das Pädophilen seit zehn Jahren Hilfe anbietet, und haben mir einige meiner — durchaus naiven — Fragen beantwortet.

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