Orgie im Menschenlabor

Parallel zur EM-Eröffnung gab es am Hans Otto Theater in der vergangenen Woche die Premiere von „Schöne neue Welt“. Das klingt erstmal nach Schullektüre in der Landeshauptstadt. Doch man sollte sich nicht täuschen: Das Regieteam um Alexander Nerlich hat einen an- und aufregenden Theaterabend geschaffen.

weiterlesen

Advertisements

„Man wird ja seine Biographie nicht los“

Linda Söffker ist eine dieser Frauen, die auch im Abendkleid nicht auf einen Döner verzichten und nur kurz zögern, vor der Kamera ein Lied von Christian Steiffen („Sexualverkehr“, YouTube-Link unten) anzustimmen. Zur Berlinale, wo Söffker seit 2011 die Perspektive Deutsches Kino leitet, ist sie allerdings nicht deswegen gekommen. Vielmehr ist es ihr tiefes Interesse für den Film, der sie vor fünf Jahren auf einen der wichtigsten Posten in der deutschen Filmszene geführt hat. 

Foto (oben): Friedensfilmpreis 2015 | Heinrich-Böll-Stiftung | CC BY-SA 2.0

weiterlesen

„Sei verflucht!“

Über Gehorsam habe ich bereits vor wenigen Wochen mit Robert Stadlober für die MOZ gesprochen. Anlass waren die Kleist Festtage, die sich in diesem Herbst das Motto „Ungeheuer Gehorsam“ gaben und die Stadlober mit seiner Eineinhalb-Mann-Performance „Private Peaceful“ (mit auf der Bühne stand Andreas Spechtl) nach Frankfurt (Oder) holten. Stadlober verriet mir in unserem kurzen Telefonat, dass er den Kriegsdienst total verweigert hat, und sprach von seiner „Abscheu gegenüber Gehorsam“. Wie er diese Abscheu auf der Bühne umsetzt, war am Donnerstag in Frankfurt zu sehen.

(Foto: Hamburger Kammerspiele/Isabell Koch)

weiterlesen

„Weil er so ein geiler Autor ist“

… und immer wieder Brecht. Kaum ein Monat vergeht, an dem nicht in irgendeinem Theater in Deutschland ein Brecht-Stück seine Premiere feiert. An der Neuen Bühne Senftenberg bekommt der Dichter am 19. September gleich ein ganzes Fest. Was fasziniert an Brecht so sehr, dass er Jahrzehnte nach seinem Tod — und trotz juristischer Fallstricke — noch immer so gefragt ist? Wie lässt sich ein Dichter ins Jetzt holen, der Phänomene wie die Globalisierung nur erahnen konnte? (Schließlich gelingt das durchaus nicht immer.)

Ende August habe ich mich für die MOZ mit Manuel Soubeyrand, seit 2014 Intendant an der Neuen Bühne Senftenberg, über Brecht unterhalten. Er gibt mir Antworten — und wirbt kurz vor ihrem Tod um Verständnis für die Brecht-Erbin Barbara Brecht-Schall.

weiterlesen

Gespräch mit Gehörlosen

Nur der Vollständigkeit halber: Über das „Wycinka“-Gastspiel in Schwedt, vor dem ich mit der Schauspielerin Ewa Skibińska gesprochen hatte, habe ich auch etwas ausführlicher geschrieben. Der Text ist am 21. April in der gedruckten MOZ erschienen — und folgt jetzt hier.

weiterlesen

Beziehungsstatus: kompliziert

Manchmal ist es fast zum Heulen. Da gastiert Krystian Lupa, der Lehrmeister des polnischen Theaters, mit seiner gefeierten Inszenierung „Wycinka/Holzfällen“ nach Thomas Bernhard in Schwedt — und hierzulande kräht kein Hahn danach. Gerade einmal 30 der 500 verkauften Karten sind in Deutschland verkauft worden. Den Rest hat das Stettiner Theaterfestival „Kontrapunkt“, in dessen Rahmen das Gastspiel stattfand, an den Mann gebracht. Das ist schade, denn das Interesse war mit Sicherheit da. Als Krzysztof Warlikowski vor drei Jahren mit den „Afrikanischen Erzählungen“ an der Schaubühne gastierte, war das Haus voll.

Wie dem auch sei: Im Foyer der Uckermärkischen Bühnen wurde am 19. März in erster Linie polnisch gesprochen. Ich hatte Glück, dass mir beim Gespräch mit der Schauspielerin Ewa Skibińska ihr Kollege Ireneusz Rosinski sprachlich unter die Arme griff. Krystian Lupa, mit dem ich eigentlich verabredet war, konnte nicht kommen. Er war krank. Stattdessen berichtete mir Ewa Skibińska von der Arbeit mit Lupa, von der angespannten Situation der Theater in Polen und davon, was Thomas Bernhards „Holzfällen“ für sie ausmacht.  weiterlesen

„Unterkünfte sind wichtig, gute Unterkünfte!“

Ich muss es zugeben: Als ich mich im vergangenen Jahr auf die Berlinale vorbereitet habe und spät nachts noch Till Kleinerts „Der Samurai“ im Stream anschaute, hatte ich zunächst nicht viel erwartet. ‚Die werden schon wissen, warum der in einer Untersektion mitten in der Nacht läuft‘, dachte ich mir. Umso mehr wurde ich von der Wucht des nur 72 Minuten kurzen Filmes überrascht und fortgerissen.

Schon wenige Tage darauf, kurz vor Festivalstart, habe ich mit Regisseur Till Kleinert über den Film gesprochen, damals recht kurz angebunden am Telefon. Nun, ein Jahr später, will ich wissen, was aus „Der Samurai“ geworden ist, und Till hat sich die Zeit für ein längeres Gespräch genommen, das verkürzt am 6. Februar im Rahmen der Berlinale-Berichterstattung der Märkischen Oderzeitung erscheint. Ich treffe ihn Mitte Januar in einem Café am Rosa-Luxemburg-Platz. Till ist nicht nur pünktlich, er spricht auch überlegt und konzentriert, sodass wir uns nicht nur über die Rezeption des „Samurai“ unterhalten können, sondern auch noch Zeit haben, über das Filmemachen allgemein und den Dreh in Brandenburg im Speziellen zu sprechen. weiterlesen

Geld arbeitet nicht

Wo ist die Wut, wenn man sie mal braucht? Im September 2013 läuft die Finanzkrise bereits seit mindestens vier Jahren; die schrecklichen Konsequenzen sind nicht mehr zu übersehen. Elfriede Jelinek hat das schon 2009 weitsichtig erkannt und in „Die Kontrakte des Kaufmanns“ dramatisiert. Regisseur Boris von Poser, dessen Inszenierung am 31. August 2013 Neuhardenberger Premiere feierte, nimmt dem Stück seinen Zorn. Geklatscht und gelacht wird an den vorgesehenen Stellen.

weiterlesen