Wo ist Skolimowskis Goldener Bär?

Jerzy Skolimowski ist eine beeindruckender Mann. Mit Sonnenbrille, Hund und Grandezza erschien der Regisseur, Drehbuchautor und Maler vor einer Woche zur Eröffnung von Filmpolska, das ihm in diesem Jahr die Retrospektive widmete. Und im Gespräch mit Knut Elstermann erzählte er auch, was ihn mit Berlin verbindet: Hier wurde er vor fast 50 Jahren einen Goldenen Bären ausgezeichnet, und zwar für „Le Départ“. Die Statue hat er aber nie erhalten. Wo also steckt der Bär? Die Berlinale-Pressestelle weiß mehr — ihre Auskunft könnte Skolimowski enttäuschen.
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Die Kühle der Pariser Nacht


Wieland Speck hatte es ja bereits vermutet: „Paris 05:59“ (im Original „Théo et Hugo dans la même bateau“) kommt bei den Zuschauern an. Später gab’s für den Film den Publikums-Teddy. Und mit Salzgeber hat er nach seinem Berlinale-Screening auch einen Verleih gefunden, dürfte also früher oder später im Kino zu sehen sein und startet mit großer Wahrscheinlichkeit auch seine Tingeltour über die kleineren Festivals. Grund genug, dem Film ein paar mehr Zeilen zu widmen.

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„Wir wollten raus aus dem Ghetto“

Verleihung Friedensfilmpreis 2013Wieland Speck ist schon lange eng mit dem Berlinale-Panorama verbunden. Ab 1982 assistierte er dem Programmleiter Manfred Salzgeber, seit 1992 kuratiert er selbst die Sektion. Gemeinsam mit Salzgeber rief Speck auch den queeren Filmpreis Teddy Awards ins Leben, der in diesem Jahr zum 30. Mal vergeben wurde. Im Gespräch mit mir blickte Wieland Speck vor ein paar Tagen auf diese 30 Jahre zurück und zog ein erstes Fazit der 66. Berlinale.

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„Man wird ja seine Biographie nicht los“

Linda Söffker ist eine dieser Frauen, die auch im Abendkleid nicht auf einen Döner verzichten und nur kurz zögern, vor der Kamera ein Lied von Christian Steiffen („Sexualverkehr“, YouTube-Link unten) anzustimmen. Zur Berlinale, wo Söffker seit 2011 die Perspektive Deutsches Kino leitet, ist sie allerdings nicht deswegen gekommen. Vielmehr ist es ihr tiefes Interesse für den Film, der sie vor fünf Jahren auf einen der wichtigsten Posten in der deutschen Filmszene geführt hat. 

Foto (oben): Friedensfilmpreis 2015 | Heinrich-Böll-Stiftung | CC BY-SA 2.0

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„Sie wissen, dass die Gesellschaft sie für den letzten Dreck hält“

Ich halte mich für tolerant. Und doch ging der Film „Danielův Svět“ (Daniel’s World), der bei der Berlinale im Panorama lief, an die Grenzen meiner Toleranz. Veronika Lišková porträtiert darin den 25-jährigen Daniel — einen Pädophilen. Ihr gelingt ein einfühlsamer Streifen, der ganz offenbar an die Grenzen der Toleranz gehen will. Lišková wirbt für Verständnis, ohne sexuelle Übergriffe zu verharmlosen. „Der Film stigmatisiert Menschen mit einer geächteten Veranlagung nicht, sondern zeigt ihre Nöte und Ängste“, schrieb Barbara Breuer in der MOZ. Doch der Film beantwortet nicht alle Fragen. Kurz nach der Berlinale habe ich mich deshalb mit Jens Wagner und Hannes Gieseler von der Berliner Charité getroffen. Beide arbeiten für das Projekt „Kein Täter werden„, das Pädophilen seit zehn Jahren Hilfe anbietet, und haben mir einige meiner — durchaus naiven — Fragen beantwortet.

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„Unterkünfte sind wichtig, gute Unterkünfte!“

Ich muss es zugeben: Als ich mich im vergangenen Jahr auf die Berlinale vorbereitet habe und spät nachts noch Till Kleinerts „Der Samurai“ im Stream anschaute, hatte ich zunächst nicht viel erwartet. ‚Die werden schon wissen, warum der in einer Untersektion mitten in der Nacht läuft‘, dachte ich mir. Umso mehr wurde ich von der Wucht des nur 72 Minuten kurzen Filmes überrascht und fortgerissen.

Schon wenige Tage darauf, kurz vor Festivalstart, habe ich mit Regisseur Till Kleinert über den Film gesprochen, damals recht kurz angebunden am Telefon. Nun, ein Jahr später, will ich wissen, was aus „Der Samurai“ geworden ist, und Till hat sich die Zeit für ein längeres Gespräch genommen, das verkürzt am 6. Februar im Rahmen der Berlinale-Berichterstattung der Märkischen Oderzeitung erscheint. Ich treffe ihn Mitte Januar in einem Café am Rosa-Luxemburg-Platz. Till ist nicht nur pünktlich, er spricht auch überlegt und konzentriert, sodass wir uns nicht nur über die Rezeption des „Samurai“ unterhalten können, sondern auch noch Zeit haben, über das Filmemachen allgemein und den Dreh in Brandenburg im Speziellen zu sprechen. weiterlesen