„Man wird ja seine Biographie nicht los“

Linda Söffker ist eine dieser Frauen, die auch im Abendkleid nicht auf einen Döner verzichten und nur kurz zögern, vor der Kamera ein Lied von Christian Steiffen („Sexualverkehr“, YouTube-Link unten) anzustimmen. Zur Berlinale, wo Söffker seit 2011 die Perspektive Deutsches Kino leitet, ist sie allerdings nicht deswegen gekommen. Vielmehr ist es ihr tiefes Interesse für den Film, der sie vor fünf Jahren auf einen der wichtigsten Posten in der deutschen Filmszene geführt hat. 

Foto (oben): Friedensfilmpreis 2015 | Heinrich-Böll-Stiftung | CC BY-SA 2.0

weiterlesen

Zwischen Bolschoi und Berghain

Olga Grjasnowa gehört zu den talentiertesten jungen Erzählerinnen hierzulande. Wie schade, dass sie sowohl mit „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, als auch mit „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ noch keinen völlig runden Text vorgelegt hat. Doch beide Romane lassen erahnen, was da noch so schlummert. Wohl auch deshalb hat das Berliner Gorki Theater die Texte auf die Bühne gebracht. Die Premiere der „Unschärfe“ (Regie: Nurkan Erpulat) fand am 24. Oktober statt — und für beide Vorführungen im Dezember gibt es noch Karten.

Foto: Baku/Azerbaijan (April 2011) | Dieter Zirnig | CC BY-NC 2.0

weiterlesen

Rock gegen den ramponierten Ruf

Noch ein Nachdreh zu Serbien: Denn neben der Flüchtlingskrise und dem Kosovo-Streit wird dort natürlich auch gefeiert — und in Novi Sad beim Exit Festival sogar mit gutem Grund. Als ich vor zwei Jahren im Frühsommer schon einmal durch das Land gereist bin, habe ich auch die Veranstalter des Festivals getroffen. Und für die MOZ damals dies aufgeschrieben:

weiterlesen

Belgrader Zorn

Der Balkan taucht in den Nachrichten zurzeit vor allem als Flüchtlingsroute auf. Dabei gibt es in Serbien und den anderen Nachfolgestaaten Jugoslawiens durchaus auch andere Themen. So nähern sich derzeit sowohl das Kosovo als auch Serbien der EU an — was keineswegs ohne Reibung klappt. Bei der Pressereise nach Serbien gab es deswegen auch so einige rhetorische Volten und Spagate zu hören. Für die MOZ habe ich das am 26. Oktober aufgeschrieben.

weiterlesen

„Schon viel zu lange gewartet“

Wer derzeit als Flüchtling über die Balkanroute in Richtung Europäische Union will, der kommt an Serbien kaum vorbei. Auf einer Pressereise, veranstaltet von der EU-Kommission, habe ich in der vergangenen Woche unter anderem die Flüchtlingsunterkunft in Principovac nahe der Grenze zu Kroatien besucht. Es war ein ruhiger Tag. Doch die Situation kann sich jederzeit ändern. Bereits in dieser Woche sieht es in Principovac ganz anders aus. Für die Märkische Oderzeitung habe ich am Montag diese Reportage geschrieben.

weiterlesen

„Sei verflucht!“

Über Gehorsam habe ich bereits vor wenigen Wochen mit Robert Stadlober für die MOZ gesprochen. Anlass waren die Kleist Festtage, die sich in diesem Herbst das Motto „Ungeheuer Gehorsam“ gaben und die Stadlober mit seiner Eineinhalb-Mann-Performance „Private Peaceful“ (mit auf der Bühne stand Andreas Spechtl) nach Frankfurt (Oder) holten. Stadlober verriet mir in unserem kurzen Telefonat, dass er den Kriegsdienst total verweigert hat, und sprach von seiner „Abscheu gegenüber Gehorsam“. Wie er diese Abscheu auf der Bühne umsetzt, war am Donnerstag in Frankfurt zu sehen.

(Foto: Hamburger Kammerspiele/Isabell Koch)

weiterlesen

„Weil er so ein geiler Autor ist“

… und immer wieder Brecht. Kaum ein Monat vergeht, an dem nicht in irgendeinem Theater in Deutschland ein Brecht-Stück seine Premiere feiert. An der Neuen Bühne Senftenberg bekommt der Dichter am 19. September gleich ein ganzes Fest. Was fasziniert an Brecht so sehr, dass er Jahrzehnte nach seinem Tod — und trotz juristischer Fallstricke — noch immer so gefragt ist? Wie lässt sich ein Dichter ins Jetzt holen, der Phänomene wie die Globalisierung nur erahnen konnte? (Schließlich gelingt das durchaus nicht immer.)

Ende August habe ich mich für die MOZ mit Manuel Soubeyrand, seit 2014 Intendant an der Neuen Bühne Senftenberg, über Brecht unterhalten. Er gibt mir Antworten — und wirbt kurz vor ihrem Tod um Verständnis für die Brecht-Erbin Barbara Brecht-Schall.

weiterlesen

Ein Agentenmärchen

Filmpolska läuft zwar noch ein paar Tage, aber für mich ist erstmal Schluss. Zum Ende des Workshops habe ich noch „Jack Strong“ gesehen, einen Riesenhit in Polen, der mir als „polnischer James Bond“ angekündigt wurde. Die Kritik in Kürze: Der echte James Bond ist mir lieber. Die Kritik in lang steht unten.

weiterlesen

Gespräch mit Gehörlosen

Nur der Vollständigkeit halber: Über das „Wycinka“-Gastspiel in Schwedt, vor dem ich mit der Schauspielerin Ewa Skibińska gesprochen hatte, habe ich auch etwas ausführlicher geschrieben. Der Text ist am 21. April in der gedruckten MOZ erschienen — und folgt jetzt hier.

weiterlesen

Ohne Kompromisse

„Hardkor Disko“ ist ein Knaller. Man muss überhaupt nicht wissen, wie der Film entstand und was sein Regisseur Krzysztof Skonieczny dazu zu sagen hat, um zu sehen, dass der Streifen ein Werk ist, das zwar vor Selbstbewusstsein kaum laufen kann, damit allerdings absolut Recht hat. Im Rahmen des Medienworkshops von Filmpolska habe ich Folgendes über „Hardkor Disko“ aufgeschrieben. Der Text erschien ebenfalls im Blog des Festivals und auf der Seite „Berliner Filmfestivals„.

weiterlesen