Wo ist Skolimowskis Goldener Bär?

Jerzy Skolimowski ist eine beeindruckender Mann. Mit Sonnenbrille, Hund und Grandezza erschien der Regisseur, Drehbuchautor und Maler vor einer Woche zur Eröffnung von Filmpolska, das ihm in diesem Jahr die Retrospektive widmete. Und im Gespräch mit Knut Elstermann erzählte er auch, was ihn mit Berlin verbindet: Hier wurde er vor fast 50 Jahren einen Goldenen Bären ausgezeichnet, und zwar für „Le Départ“. Die Statue hat er aber nie erhalten. Wo also steckt der Bär? Die Berlinale-Pressestelle weiß mehr — ihre Auskunft könnte Skolimowski enttäuschen.

Jerzy Skolimowski als „Altmeister“ zu bezeichnen, grenzt eigentlich an eine Frechheit. Meister? Na klar, Skolimowski arbeitete mit Wajda, Polanski und Andrzejewski. Aber alt? Zumindest sein jüngster Film „11 Minut“ (die Berliner Filmfestivals haben ihn besprochen) lässt kaum erahnen, dass ein 77-Jähriger hinter der Kamera die Strippen zog. Einen solchen ästhetischen Wagemut, eine solch experimentelle Erzählweise ist doch eigentlich eher in Debütfilmen zu sehen. Fast ließe sich darüber vergessen, dass Skolimowski schon in den Sechzigern Filme drehte und dass „Le Départ“ 1967, also vor einem knappen halben Jahrhundert, mit einem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde — würde er nicht ab und zu dran erinnern und hervorheben, dass er die Statue noch immer nicht bekommen hat.

Der Hintergrund ist schnell erklärt. Wie die Berlinale in ihrem Jahresarchiv schreibt, waren 1967 auch sozialistische Staaten zum Filmfestival eingeladen. Allerdings wurde die DDR (wohl aus diplomatischen Gründen) ausgeschlossen. Das wiederum hatte zur Folge, dass auch die anderen Ostblockstaaten fernblieben — und mit ihnen Jerzy Skolimowski. Die 17. Berlinale prägte er dennoch, und zwar mit „Le Départ“, der neben Johannes Schaafs „Tätowierung“ und Eric Rohmers „La Collectionneuse“ aus dem Programm herausstach und als Bester Film ausgezeichnet wurde. Die Frage, wo die Trophäe verstaubt, liegt also nahe.

Anruf in der (wunderbaren!) Pressestelle des Festivals: Frauke Greiner, Leiterin des Presseservice, weiß prompt die Antwort. Der Preis ging an die Produzentin des Filmes, die Belgierin Bronka Ricquier (1914–1987), und die nahm ihn auch entgegen. Das war keineswegs eine Notlösung. Denn der Preis für den Besten Film wird immer an die Produzentin oder den Produzenten verliehen. „Das wird oft vergessen“, sagt Greiner. Schließlich seien die Produzenten meist nicht so prominent. Ungewöhnlich ist es aber nicht: Das Filmfestival in Cannes und die Oscar-Academy handhaben das ebenfalls so. Dass Skolimowski den Bären nicht bekommen hat, stimmt also. Es war aber auch nie vorgesehen.

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