Was bisher geschah

Die Berlinale ist fast rum, und wenn ich richtig zähle, habe ich bislang 26 Filme auf meinem Zettel. Nicht alle waren gut, mein Verriss von „Jeder stirbt für sich allen“ ist ja online. Aber einige blieben hängen. Eine subjektive und willkürliche Auswahl:

Fire at Sea

Wettbewerb

Klar, am Flüchtlingsthema kommt die Berlinale nicht vorbei. Überall sind Spendenboxen aufgestellt, in allen Sektionen beschäftigen sich Werke mit der Problematik. Das kann man wohlfeil finden — bis man „Fire at Sea“ gesehen hat, die italienische Dokumentation im Wettbewerb. Filmisch hätte ich ihr vielleicht keine fünf Sterne gegeben, einiges wirkt etwas konstruiert. Nichtsdestotrotz hat mich der Film mitgenommen. Und das ist nicht wenig.

I am Olga Hepnarova

Panorama

Dem tschechischen Film über die Massenmörderin habe ich ja schon ein Loblied gesungen. Dennoch soll er hier nicht fehlen.

 

Paris 05:59

Panorama

Wow! „Paris 05:59“ ist stark. Und zwar nicht nur wegen der 20-minütigen Szene im Schwulenclub am Anfang, sondern weil ihr eine bewegende Liebesgeschichte folgt, die zärtlich und brutal zugleich ist und außerdem zeigt, dass explizite Sex-Szenen keineswegs nur Selbstzweck sein müssen, sondern auch einen kompletten Langfilm rechtfertigen können.

 

Hedi

Wettbewerb

Der Freitag nach der Eröffnung ist für einen Wettbewerbsfilm nicht unbedingt gut terminiert. Viel zu oft geht der Erstling im Bären-Rennen einfach unter. Bei „Hedi“ könnte das auch passieren. Es wäre schade: Der tunesische Beitrag ist eine ruhige Selbstfindungsgeschichte nach dem Arabischen Frühling, die eindringlich zeigt, wie eng Privates, Politisches und Tradition miteinander verflochten sind. Das zurückgenommene Spiel von Hauptdarsteller Majd Mastoura tut dazu sein Übriges.

 

Die Prüfung

Perspektive Deutsches Kino

Vom Versuchsaufbau her erinnert diese Dokumentation an „Deutschland sucht den Superstar“. Hunderte junge Schauspieler wollen an der Schauspielschule Hannover aufgenommen werden, und die Prüfer entscheiden über Ja oder Nein. Vom RTL-Trash trennen „Die Prüfung“ dann aber doch Welten, denn hier wird ernsthaft gearbeitet, ohne Zynismus und mit dem Willen, das Beste rauszuholen. Das ist nicht nur bewegend, sondern hochinteressant.

 

Death in Sarajevo

Wettbewerb

Der neue Film von Danis Tanović hat einige Kollegen ratlos zurückgelassen, mich aber schwer begeistert. Vermutlich muss man wirklich etwas Vorwissen über die Geschichte des Balkan mitbringen, um bei „Death in Sarajevo“ am Ball zu bleiben. Der Film verhandelt klug und nicht ohne Humor die Politik und die Konflikte zwischen den Völkern seit dem dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Dabei ist er jedoch keineswegs erdrückend, vielmehr gelingt eine wunderbare Satire, die sogar Anleihen an „The Shining“ mitbringt.

 

Wir sind die Flut

Perspektive Deutsches Kino

Ja, dieser Film ist ein Abschlussfilm par excellence. Ohne dieses Wissen würde er auch gar nicht richtig funktionieren. Und auch wenn es in dem Science-Fiction-Drama an so mancher Stelle rumpelt und pumpelt, sieht man ihm jederzeit an, wieviel Fantasie, Leidenschaft und vor allem Wagemut in ihm stecken. Damit kann sich die Nachwuchssektion bestens schmücken.

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